NeuWo steht ihr mit KI? Fünf Stufen, vier Fragen, eine Minute.

Fallstudie · KI bei uns selbst

Als die Website aufhörte, eine Broschüre zu sein

Diese Seite lag bis in den August 2026 auf einem Homepage-Baukasten und konnte, was ein Baukasten kann. Heute läuft an derselben Adresse ein selbst gebautes System auf unserem eigenen Server: Kurse mit eigenem Videoplayer, ein Quiz, das auch die Abbrüche mitzählt, eine Terminbuchung, die direkt in den Kalender schreibt. Hier steht, was das gekostet hat und was dabei kaputtgegangen ist.

Projekt
Die eigene Website
Werkzeug
Claude Code
Gebaut an
17 Tagen, verteilt über fünf Wochen
Gebaut von
einer Person ohne Entwicklerhintergrund
Stand
August 2026, seit dem 13. August live
  • 17

    Tage daran gearbeitet

    aus der Git-Historie gezählt, 148 Commits

  • 55 bis 85

    Entwicklertage klassisch, statt unserer 17

    geschätzt, Rechnung offen

  • 5

    Dinge, die im Baukasten nicht gingen

    einzeln belegt, Liste unten

Der Baukasten war nicht schlecht. Er hat jahrelang genau das getan, wofür man ihn nimmt: eine Adresse, ein paar Seiten, ein Kontaktformular. Das Problem war nicht die Qualität, sondern die Wunschliste, die daneben wuchs.

BesuchE-Mail eintragenKurs im eigenen PlayerQuiz, misst auch AbbruchTermin im KalenderLead im CRMAuswertung im DashboardAlle sieben Schritte laufen in einer einzigen Anwendung auf einem einzigen Server. Was der Besucher sieht und was wir hinterher auswerten, ist derselbe Code.
Die eine Kernbotschaft

Der Umzug hat die Seite nicht schöner gemacht, sondern erweiterbar. Alles, was hier heute Vertrieb macht, wäre im Baukasten eine Anfrage an den Anbieter gewesen.

1 Die Herausforderung

Am Ende standen fünf Wünsche auf der Liste, und keiner davon war im Baukasten vorgesehen:

  • Kostenlose Videokurse, die uns gehören, mit Kapitelsprüngen und ohne fremdes Logo im Bild
  • Eine E-Mail-Erfassung vor den Inhalten, mit Bestätigungsklick und nachweisbarer Einwilligung
  • Ein Quiz, das nicht nur die fertigen Antworten speichert, sondern auch zeigt, wer mittendrin aufhört
  • Eine Terminbuchung, die in unseren echten Kalender schreibt, mit Videolink und echter Einladung
  • Eine Stelle, an der Zuschauer aus dem YouTube-Kanal ihre Frage stellen können, gesprochen statt getippt

Zwei davon waren nicht einmal eine Frage des Baukastens. Die Videos lagen bei einem Dienst, der keine Kapitelsprünge kann. Das ist nachrecherchiert und nicht vermutet: Es gibt dort keine Schnittstelle, mit der man von Minute 3 auf Minute 18 springen könnte. Wer das will, spult von Hand.

Die eigentliche Frage war deshalb nie, ob eine eigene Seite schöner wird. Die Frage war, ob wir bereit sind, den Betrieb zu übernehmen: Server, Zustellung von E-Mails, Datenbank, Ausfälle. Denn genau das kauft man beim Baukasten mit ein, und genau das gibt man beim Umzug ab.

2 Die Lösung, Schritt für Schritt

Zehn Schritte. Sie sind nicht in dieser Reihenfolge entstanden, sondern nebeneinander, und jeder ging live, sobald er lief. Einen großen Umschalttag gab es nicht.

  1. Neu bauen statt umziehen. Es gab keinen Import und kein Migrationswerkzeug. Übernommen wurden nur Texte, die weiter gelten: Impressum, AGB, die Referenzseite und die Stimmen der Teilnehmer. Alles andere ist neu geschrieben.
  2. Mehrere Türen statt einer Startseite. Heute sind es 28 Seiten und 12 Schnittstellen, im Quellcode gezählt. Jede Tür weiß, woher der Besucher kam.
  3. Die Inhalte liegen hinter einer E-Mail-Wall. Adresse eintragen, Bestätigungsmail, und erst der Klick darin schaltet frei. Wer aus unserer Community kommt, bekommt denselben Zugang, wird aber nicht noch einmal als neuer Interessent gezählt. Das ist kein Detail: Eine bestehende Community würde die Auswertung sonst jeden Monat verfälschen.
  4. Die Videos liegen bei einem Videodienst, eingerichtet über dessen Schnittstelle statt im Browser geklickt. Speicherort Frankfurt ohne Replikation, Auslieferung nur in der EU, Encoding auf 1080p gedeckelt. Der Grund für das Skript statt der Maus ist banal und wichtig: Eine geklickte Einstellung kann niemand nachlesen, ein Skript schon.
  5. Der Player ist unserer. Kapitelsprünge mit mitlaufender Markierung, Tempo von 0,75 bis 2fach, Qualitätsstufen aus der echten Auswahl statt aus einer Wunschliste, Tastatursteuerung, kein fremdes Logo, keine Cookies von Dritten.
  6. Drei Kursformen, ein einziger Renderer. Die Lektionsseite entscheidet nicht anhand eines Kurstyps, was sie anzeigt, sondern anhand der Felder, die da sind. Ein vierter Kurs mit einer neuen Mischung braucht deshalb keinen Code, sondern eine Datei.
  7. Das Quiz zählt auch die, die aufhören. Ab dem ersten Klick schreibt es eine Zeile, nicht erst am Ende. Vorher wurde nur die erfolgreiche Buchung gespeichert, Abbrecher waren unsichtbar. Damit war die interessanteste Gruppe die einzige, über die wir nichts wussten.
  8. Die Buchung schreibt selbst in den Kalender. Der fremde Buchungsdienst wurde gestrichen. Seither liest die Seite die freien Zeiten direkt aus dem Kalender, legt den Termin samt Videolink an und lädt den Gast wirklich ein.
  9. Nach der Buchung entstehen Kontakt und Verkaufschance im CRM, dazu zwei Erinnerungen vor dem Termin. Was danach passiert, steht in der Fallstudie zur Terminbuchung.
  10. Alles landet in einer Datenhaltung, darüber liegen sieben Auswertungsansichten. Der Schutz ist so gebaut, dass er im Zweifel zumacht: Fehlt ein Zugangswert, antwortet alles mit einer Abweisung.

Ein Prinzip zieht sich durch alles

Jeder externe Dienst ist optional. Fehlt sein Zugangswert, greift ein Ersatzverhalten. Deshalb lässt sich die Seite auf einem fremden Rechner starten, ohne dass dieser Rechner einen einzigen Schlüssel kennt. Das klingt nach Bequemlichkeit und ist in Wahrheit eine Sicherheitsentscheidung.

3 Was es gekostet hat, und was es gekostet hätte

Der ehrliche Teil zuerst: Nur die rechte Spalte ist erlebt. Die linke ist gerechnet und bewusst knapp gehalten, also für jemanden, der so etwas schon einmal gebaut hat und die Bausteine kennt. Eine großzügige Schätzung würde den Vergleich schmeicheln, und genau das soll er nicht.

Klassisch, geschätzt

Eine Agentur oder ein Entwicklerteam

Grundgerüst, Gestaltung, 28 Seiten: 12 bis 18 Tage
Kurssystem mit Renderer und Zugangs-Wall: 7 bis 10 Tage
Videoauslieferung mit eigenem Player: 4 bis 6 Tage
Quiz samt Abbruchmessung: 3 bis 4 Tage
Buchungsstrecke mit Kalenderabgleich: 6 bis 9 Tage
CRM-Anbindung und Erinnerungen: 3 bis 4 Tage
Fragerunde mit Diktat und Einordnung: 4 bis 6 Tage
Datenhaltung und sieben Auswertungen: 5 bis 7 Tage
Besuchsmessung ohne Cookie-Banner: 2 bis 3 Tage
Server, Auslieferung, Zertifikate: 3 bis 4 Tage
Test, Abnahme, Nacharbeit: 8 bis 12 Tage
Das macht 440 bis 680 Stunden. Bei rund 50 Euro Arbeitgeberkosten je Stunde sind das 22.000 bis 34.000 Euro, freiberuflich bei rund 90 Euro entsprechend 40.000 bis 61.000 Euro.

→ Rund 55 bis 85 Entwicklertage, also drei bis vier Monate Vollzeit. Konzept und Abnahmerunden kommen obendrauf.

vs
So ist es entstanden

Eine Person, nebenbei

an 17 Tagen mit Commits, verteilt über 33 Kalendertage
148 Commits, aus der Git-Historie gezählt
28 Seiten und 12 Schnittstellen, im Quellcode gezählt
eine Person ohne Entwicklerhintergrund, neben dem Arbeitstag
jeder Teil ging live, sobald er lief

→ Kein Lastenheft, keine Abnahmerunde. Gebaut hat es der, der die Seite hinterher selbst benutzt.

Drei Ehrlichkeiten zu diesen Zahlen

Erstens: Die Buchungsstrecke steckt in dieser Rechnung und in der Fallstudie zur Terminbuchung. Wer beide addiert, zählt sie doppelt.
Zweitens: Der Baukasten kostete nach Angabe des Geschäftsführers rund 50 Euro im Monat. Was der eigene Betrieb heute kostet, steht in keinem Dokument dieses Projekts, und wir schätzen es hier nicht. Belegt ist eine einzige laufende Position, die Videoauslieferung mit derzeit rund fünf Dollar im Monat.
Drittens: In den 17 Tagen steckt auch die Zeit, die für die Fehler weiter unten draufgegangen ist. Sie sind nicht herausgerechnet, das wäre geschönt.

4 Was es im Alltag ändert

Bei diesem Projekt trägt eine Minutenrechnung nur für wiederkehrende Vorgänge. Der Rest ist keine Zeitersparnis, sondern der Unterschied zwischen „ging nicht“ und „geht“. Wir zeigen beides, und wir mischen es nicht.

Im Baukasten

Eine Kurslektion veröffentlichen

Video hochladen und einbetten: 10 bis 15 Minuten
Seite anlegen, Text einpflegen, Formatierung von Hand: 10 bis 15 Minuten
Navigation und Reihenfolge nachziehen: 5 Minuten
Kapitelmarken: nicht möglich
Zugang nur für Eingetragene: nicht möglich

→ Rund 25 bis 35 Minuten, und zwei der fünf Punkte gehen gar nicht.

vs
Mit dem eigenen System

Eine Kurslektion veröffentlichen

Video per Skript hochladen: 2 bis 3 Minuten Aufmerksamkeit
Lektion als Eintrag in der Kursdatei, samt Kapitelmarken: 5 bis 8 Minuten
Navigation, Fortschritt und Zugangs-Wall: entfällt

→ Rund 7 bis 11 Minuten. Auf die 122 Lektionen der beiden Kurse gerechnet sind das rund 40 Stunden Unterschied, allerdings theoretisch: Im Baukasten lagen die Kurse nie.

Der zweite wiederkehrende Vorgang ist noch deutlicher. Eine Aussage auf allen Seiten ändern hieß im Baukasten: jede Seite einzeln öffnen, rund 30 bis 45 Minuten, und die maschinenlesbaren Angaben im Seitenkopf gar nicht erreichbar. Heute sind es 10 bis 15 Minuten. Genau so sind im August alle Preiszahlen von der Seite verschwunden, samt einer, die kein Mensch je gesehen hätte: Der maschinenlesbare Firmeneintrag lieferte eine Preisangabe auf jeder einzelnen Seite mit aus.

Nicht in Minuten messbar, weil es vorher nicht ging: Kapitelsprünge, nachweisbare Einwilligung, Sichtbarkeit der Quiz-Abbrecher, ein Termin ohne Zwischenstation, eine gesprochene Zuschauerfrage, die sich selbst verschriftlicht.

Der Haken an dieser Rechnung

Gespartes Handwerk ist nicht automatisch gewonnene Zeit. Beim eigenen System kommt Arbeit zurück, die es beim Baukasten nicht gab: Server, Auslieferung, Datenbank-Änderungen, E-Mail-Zustellung. Wie viel das im Monat ist, haben wir nicht gemessen, und wir schätzen es hier nicht. Was wir sagen können: Die Fehlerliste im nächsten Abschnitt ist der Preis dieser Freiheit, und sie ist vollständig.

5 Was wir dabei gelernt haben

  • Der teuerste Fehler war der, den niemand gesehen hat. Die Navigation hatte keine einzige Regel für kleine Bildschirme. Logo plus sechs Menüpunkte ergeben rund 850 Pixel feste Breite, das Fenster eines Telefons hat 320. Jede Seite scrollte seitlich, eine Woche lang. Das Bittere: Der Befund stand schon fünf Tage vorher in einem Prüfbericht, wortwörtlich mit gemessener Breite, und wurde nicht repariert, weil er „seitenübergreifend“ war. Die Lehre ist keine über Bildschirmbreiten: Ein Befund, der nicht zur gerade offenen Baustelle gehört, wird nicht später repariert, sondern gar nicht.
  • Der Prüfstand ging genau den einen Weg nicht, der kaputt war. Eine Einstellung wurde im Browser nie wirksam, weil das Bündelungswerkzeug nur wörtliche Vorkommen ersetzt. Die Videoauslieferung galt dort immer als abgeschaltet. Aufgefallen ist es lange nicht, weil der Prüfstand für Videos eine Abkürzung nimmt und die Konfiguration gar nicht anfasst.
  • Was im Repository steht, ist nicht das, was live läuft. Beim Livegang stand zehn Minuten nach der Veröffentlichung noch die alte Seite, weil die Auslieferung nicht von selbst startet. Datenbank-Änderungen wurden dreimal nicht eingespielt, mit echtem Schaden. Und das Schutznetz für genau diesen Fall, ein Mechanismus, der unbekannte Felder wegwirft statt abzustürzen, warf dabei ausgerechnet den Einwilligungsnachweis weg. Ein Schutz, der genau das zerstört, was er schützen soll.
  • Zustellung ist keine Funktion, sondern eine Voraussetzung, und niemand meldet ihr Fehlen. Unsere Maildomain war beim Versanddienst nie authentifiziert. Aufgefallen ist es durch einen Anrufer, der keine Bestätigungsmail bekommen hatte. Große Anbieter nahmen es hin, einer lehnte hart ab, bei den übrigen landete es im Spam.
  • Der eigene Durchklick ersetzt keine Abnahme. Einen Tag nach dem Livegang fand der Geschäftsführer 36 Seiten mit totem Hauptknopf. Der teuerste war nicht der auffälligste: Die Ankündigungsleiste ist vollflächig anklickbar, steht auf 36 Seiten und führte ins Leere.

Dreimal derselbe Fehler

Ein Muster ist uns dreimal passiert: Werte, die schon beim Bauen des Pakets bekannt sein müssen, waren im Bauplan nicht angemeldet. Die Folge sieht jedes Mal aus wie ein Programmierfehler und ist keiner. Ein Fehler, den man dreimal macht, ist keine Unachtsamkeit mehr, sondern eine fehlende Prüfliste.

6 Was davon bei euch gilt

  • Zieht nicht wegen des Aussehens um. Der einzige tragfähige Grund für ein eigenes System ist eine Liste von Sätzen, die bei euch mit „das geht hier nicht“ anfangen. Schreibt die Liste auf, bevor ihr entscheidet. Ist sie kurz, bleibt beim Baukasten, dann arbeitet er für euch. Steht auf ihr, was euer Geschäft ausmacht, dann arbeitet ihr gegen ihn.
  • Wer selbst baut, übernimmt den Betrieb. Das ist der Teil, den niemand mitverkauft: Auslieferung, Datenbank, E-Mail-Zustellung, Zertifikate. Rechnet damit, dass diese Arbeit einen Teil dessen auffrisst, was ihr anderswo gewinnt.
  • Prüft am Ergebnis, nicht an der Quelle. Der Beweis liegt da, wo der Kunde hinschaut, und nicht da, wo ihr gearbeitet habt.
  • Schreibt mit, während ihr baut. Zu dieser Seite gehören 17 Wissensseiten, ein Arbeitsprotokoll und eine Zustandsdatei. Genau daraus besteht diese Fallstudie. Wer nicht mitschreibt, kann hinterher nicht belegen, was er gebaut hat, und muss es bewerben statt zeigen.

Bewusst nicht Teil davon

  • Ein Cookie-Banner. Die Besuchsmessung läuft ohne Cookies auf dem eigenen Server
  • Ein zweites Angebot auf dieser Seite. Die Kurse sind kostenlos, es gibt keinen Kaufknopf
  • Ein Shop. Der Anlauf wurde eingestellt, weil der Mehrwert zu klein und der Aufwand zu hoch war
  • Die Videos auf dem eigenen Server. Rechnerisch trüge er sie, verworfen am Betriebsaufwand
  • Eine fertige Player-Bibliothek. Stattdessen die Abspiel-Engine plus eigene Bedienung
  • Jede maschinelle Bewertung von Bewerbern. Keine Punktzahl, keine Ampel, keine automatische Absage
  • Automatisch startende Videos. Ein fremder Rahmen überträgt die Adresse des Besuchers, bevor der etwas getan hat

Kostenlos, in einer Minute

Wo steht euer Unternehmen mit KI gerade?

Es gibt 5 Stufen, von „wir haben davon gehört" bis „unser Team baut selbst". Ein paar Fragen zeigen euch, auf welcher ihr steht und was der nächste Schritt ist.

Fallstudie: Als die Website aufhörte, eine Broschüre zu sein · Claes & Herrmann KI-Agenten